GuterStoff

Läden
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Foto: Jaqueline Ehrhart

Feiertag in Wien. Doch nicht überall bleiben die Läden dunkel. In der Glockengasse 8a sitzt Tom Kaisersberger emsig an seiner Buchhaltung. Seit Dezember 2008 ist der Münchner stolzer Besitzer des Shops und Labels GuterStoff, ein Ort an dem man umweltfreundliche Bio-Textilien erwerben und sogar bedrucken lassen kann. Trotz der vielen Arbeit hat er sich für uns Zeit genommen und begrüßt uns an diesem regnerischen Tag mit einem Gläschen Rotwein an den Pforten seines Ladens.

Der ehemalige Software-Tester und Berater im IT-Bereich lebt nun schon mehr als 25 Jahre in Wien. Neben diversen handwerklichen Tätigkeiten wie Kunstmessen- und Ausstellungsbau war Tom auch schon immer künstlerisch sehr aktiv: Das Malen und Sprühen mit Schablonen ist dabei nur eine von vielen Ausdrucksformen und Möglichkeiten für ihn, die Kunst als Ventil zu nützen. So kam ihm die Idee, das Kreative mit dem Geschäftlichen zu verbinden.

„Vom bloßen Nachdenkprozess bis hin zur Ladeneröffnung 2008 vergingen 2 Jahre“, erzählt uns Tom, der im 2ten Bezirk inzwischen ein kleines Paradies für Textilliebhaber geschaffen hat. Und das nicht ohne Aufwand: So musste er den baufälligen Shop, der jahrelang mit heruntergelassenen Rollbalken sein Dasein gefristet hatte, rundum sanieren und die dunkelbraunen Teppichfliesen sowie eine Unzahl von Resopal- und Spanplatten entfernen. Und das schon zum zweiten Mal – vis à vis seines Geschäfts befindet sich nämlich die alte Verkaufsstelle, die er momentan als Lager nützt.

Unter einem historischen, von ihm selbst freigelegten Deckenfresko findet man eine große Auswahl an T-Shirts und Beuteln in allen erdenklichen Farben und Größen. Die Produkte bestehen bis zu 100% aus Biobaumwolle und Bambusviskose und wurden klimaneutral hergestellt.

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Foto: Jaqueline Ehrhart

© by Jaqueline Ehrhart

„Im Zuge der Entstehung stieß ich auf Händler, die T-Shirts für 75 Cent das Stück anboten. Das hat mich nachdenklich gestimmt.“ So sind Toms Produkte losgelöst von konventionellen Marken und kosten teilweise ein wenig mehr. Dafür sind sie aber fair und umweltfreundlich produziert und somit auch nachhaltiger.

Genauer gesagt sind die meisten Produkte unter dem Label der Fair Wear Foundation (FWF) zertifiziert. Vergleichbar mit dem Fair-Trade Label, aber wesentlich unbekannter, konzentriert sich die FWF ausschließlich auf die Produktion im Textilbereich und garantiert faire Arbeitsbedingungen. Außerdem tragen viele von Toms Stücken das Siegel der Global Organic Textile Standard, kurz GOTS, der umwelttechnische Anforderungen sowie humane Kriterien in der Produktionskette von biologisch erzeugten Naturfasern voraussetzt. Das Carbon Trust Label steht für eine CO2- und schadstoffarme Produktion.

Im GuterStoff-Laden selbst heizt Tom mit einem Holzofen und setzt auf Ökostrom. Zusätzlich verzichtet er auf ein Dienstfahrzeug und legt die meisten Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Für seinen umwelt- und menschenfreundlichen Einsatz erhielt Tom 2012 den Umweltpreis der Stadt Wien, der seit dem eine Wand seines Ladens ziert.

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Foto: Jaqueline Ehrhart

© by Jaqueline Ehrhart

Wem die Basic-Shirts alleine nicht genügen oder wer die eigenen Klamotten aufpeppen möchte, ist bei GuterStoff an der richtigen Adresse: Vom Einfarbdruck über den mehrfärbigen Motivdruck ist hier alles möglich. Wenn es schnell gehen muss greift Tom auf den Einfarb-Foliendruck (genannt Flex/Flock) zurück. Der Kunde hat hier die Qual der Wahl zwischen einem beinahe unerschöpflichen Farbspektrum. Realisierbar ist praktisch alles, was Tom mit seinem Schneideplotter aus der Folie ausschneiden kann. Ab einer Bestellung von 30 Stück wendet er das Siebdruckverfahren an, bei dem komplexe, mehrfärbige Motive sowie Farbverläufe und Schattierungen möglich sind.

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Foto: Jaqueline Ehrhart

© by Jaqueline Ehrhart

Diese Palette an Gestaltungsmöglichkeiten lockt eine bunt gemischte Kundschaft in die Glockengasse. „Der Laden kommt gut an und es besteht ein wechselseitiges Verhältnis mit den Kunden. Ich helfe ihnen beim Umsetzten ihrer Ideen, nehme mir Zeit für jeden Einzelnen und versuche bestehende Zweifel aufzuheben indem ich das erfasse, was die Leute sich wünschen. Es bereitet mir große Freude gemeinsam mit den Kunden an einer Sache zu arbeiten und das kleine Extra, das den Aufdruck zu mehr macht, herauszukitzeln. Mein Gegenüber fühlt sich verstanden – ja hin und wieder bekomme ich sogar Trinkgeld.“

Zur Frage, woher Tom denn seine Kreativität schöpft, bekamen wir mehrere Antworten: „Auf der einen Seite kommt sehr viel Inspiration vom Kunden selbst, darum ist auch das Miteinander für mich so wichtig. Die Leute gehen selbst bei einfachen Motiven auf und entdecken ihre kreative Ader. Es ist eine wohlwollende Teamarbeit, die man mit Geld nicht aufwiegen kann. Ich besuche auch gerne größere Events, wie die Bio Fare Messe im Rahmen der Berliner Fashion Week, um Neues kennen zu lernen. Eine weitere Inspirationsquelle ist ganz klar die Natur, ich mache gerne Ausflüge und Wanderungen und bin botanisch interessiert. Bei Grillfesten bin ich derjenige, der als Letzter übrig bleibt und das Feuer hütet.“

Auch privat spiegelt sich seine Liebe zu Natur und Umwelt wider: Tom achtet beim Einkauf auf Bio-Produkte, lebt generell sehr einfach und bescheiden. „Hin und wieder hätte ich ja schon Lust auf ein Snickers, den Großkonzern Nestle will ich aber nicht unterstützen. Nur beim Brickerl’-Eis werde ich manchmal schwach“, gibt Tom lachend zu.

Die GuterStoff-Zukunftspläne sind vielversprechend: So plant der sympathische Münchner die Errichtung eines kleinen Gastgartens vor seinem Geschäft sowie die Eröffnung von weiteren Läden in Graz und Linz. Sein alter Verkaufsraum gegenüber soll als Lager und Pop-Up-Store für interessante Künstler und Aussteller dienen. Weitere Mitarbeiter sowie eine Expansion des Onlineshops nach Deutschland schweben ihm vor.

„Es wäre schön, ein großer Onlinehändler in Europa zu werden, quasi wie Zalando nur fair und nachhaltig. Ich möchte mit Menschen zusammenarbeiten, denen diese Werte am Herzen liegen. Ein Geschäftsmodell bei dem der Mensch im Vordergrund steht.“

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Foto: Jaqueline Ehrhart

© by Jaqueline Ehrhart

Wer selbst einmal legalen guten Stoff mit gutem Gewissen kaufen möchte, kommt nicht umhin, Tom und dem GuterStoff-Laden einen Besuch abzustatten. Für bequemere Konsumenten gibt es eine Homepage mit Onlineshop, auf der es sogar die Möglichkeit gibt als Gastblogger mitzuwirken.

Das Fuchsteam Jacky und Alexius bedankt sich recht herzlich für diesen feinen Nachmittag mit gutem Redestoff und freut sich auf ein baldiges Wiedersehen.

Redakteure: Alexius Ivo Baldissera / Jaqueline Ehrhart

Den Link zur Homepage findet ihr hier: http://GuterStoff.com

Facebook-Seite: http://facebook.com/GuterStoff

Für mehr tolle Bilder einfach hier durchklicken:

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