Jo Stöckholzer im Treibhaus

Musik

JO STÖCKHOLZER TREIBT’S BUNT

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© alle Fotos: Theresa Fischer

Im altbürgerlichen Café Central in Innsbruck kann man die Seele baumeln lassen, sich an den unzähligen Tortenvariationen erfreuen, die 70+ Kellner-Generation beim Servieren bewundern, Deckenschmuck und protzige Kronleuchter auf sich wirken lassen, oder wie in meinem Fall, den Musiker Jo Stöckholzer treffen. Dieser stand mir dann auch gleich Rede und Antwort auf alle meine Fragen und lud mich sogar zum Pre-Release seines Debüt-Albums ein, welches er zum ersten Mal mit seiner neuen Band zum Besten geben wird. Uns erwartet ein Abend, gefüllt mit Exklusivität und schöner Musik, am 24. September im Treibhaus. Doch fangen wir von vorne an:

Alexius: Wie lernten sich die Musik und du kennen?

Jo: Mit 8 Jahren hat mir jemand von der Musikkappelle eine Trommel vorbeigebracht, statt Sticks verwendete ich Kochlöffel. Dann kam richtiger Schlagzeugunterricht, Gitarre und Klavier hab ich mir selbst beigebracht. Nach einer Woche Gitarre war schon das erste englischsprachige Lied fertig, aufgrund von Sprachbarrieren ging ich dann wenig später zum Deutschen über. Auch eine kurze Dialektphase hab ich durchgemacht, fühle mich jetzt aber mit deutschsprachigen Texten am wohlsten, da kann ich mich besser und schöner ausdrücken.

Alexius: Welche Instrumente würdest du gerne noch lernen?

Jo: Cello, einfach ein wunderschönes Instrument, oder die Trompete, zum Gasgeben.

Alexius: Gibt es Instrumente, um die du einen Bogen machst?

Jo: Nein, prinzipiell ist alles möglich. Ich verwende live auch Kuhdosen oder Schreibmaschinen.

Alexius: Du bezeichnest deine Musik als „Deutschsprachiger Folk mit einem Hauch von Elektrizität“. Warum ist die Benennung von Genres heutzutage so kompliziert?

Jo: Weil jeder was eigenes erfinden will, aber es im Grunde alles schon einmal gegeben hat. Experimentelle Ideen oder besondere Stimmen können da vielleicht noch glänzen, aber richtig neu ist das halt auch nicht. Um meine Musik näher zu verdeutlichen fällt auch meine Beschreibung länger aus und gleicht eher einem Jo-Musik-Kochrezept.

Alexius: Welche musikalischen Einflüsse fließen in dieses Rezept?

Jo: Diverse Liedermacher und Singer-Songwriter. Künstler wie Max Prosa oder Moritz Krämer schätze ich sehr.

Alexius: Sehr schön. Bist du auch jemand, der Schlager hören kann?

Jo: Offensiv nicht, aber wenn ich zwischen Helene Fischer und Peter Alexander entscheiden müsste, wäre der Alexander meine Wahl.

Alexius: Gibt es musikalische Tabus?

Jo: Es gibt nix, was bei mir komplett durchfällt. Es wäre ja falsch, von vorneweg zu sagen, dass man sich etwas nicht anhört – dann kann man ja gar nicht wissen was man davon hält. Das muss jeder selbst entscheiden und wenn jemand eine Stunde nur Rauschen hören will, dann soll er das bitte machen.

Alexius: Hast du heute selbst schon Musik gehört?

Jo: Bis jetzt noch nicht. Kurz war der Fernseher an. Dann wieder aus.

Alexius: Also gibt es Momente ohne musikalische Begleitung?

Jo: Ja, vor allem nach langen Studiotagen genieße ich die Stille bzw. Nicht-Beschallung. Je weniger Musik ich höre, desto mehr entwickelt sich mein eigener Stil weiter. Deshalb hilft die musikalische Abschottung hier und da, um Ohrwürmern vorzubeugen und etwas eigenes zu erschaffen. Ich lege daheim aber auch gerne mal eine Platte auf und versumpfe dann in meiner Gedankenwelt.

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Alexius: Seit 2012 lässt du uns an dieser Welt teilhaben. Erinnerungen an deinen ersten Auftritt?

Jo: Das war im Yunit in Schwaz, Vormärz war damals die Vorband. Da war ich nur mit Gitarre und Gesang unterwegs.

Alexius: Wie entstand eigentlich die Idee, als Solo-Künstler oder „One Man Show“ aufzutreten?

Jo: Ich hab anfangs mit einem Delay-Pedal eines Freundes herumgespielt und mir dann eine große Loop-Station zugelegt. Es folgten Keyboards, Drum-Machine und viele weitere Kleinigkeiten. Inzwischen ist es zu einem riesigen Instrumenten-Set mit einem noch größeren Kabelhaufen angewachsen. Wenn ich allein musiziere, bin ich auch für alles selbst verantwortlich. Das Proben ist einfacher, das liegt aber auch daran, dass ich in meinem Proberaum wohne sowie schlafe und stets vor Ort sein kann.

Alexius: Gibt es keine Nachteile des Solo-Daseins?

Jo: Doch schon. Vor dem Konzert allein zu sein ist nicht immer so schön. Oder nach dem Auftritt. Oder Backstage. Zum Glück habe ich Freunde.

Alexius: Beruhigend zu hören. Deine Texte schreibst du ja auch ganz allein, sie kommen sehr persönlich und privat rüber. Woher kommt der Input?

Jo: Wenn ich viel zu viel nachdenke, gelangen diese Gedanken alle ins Unterbewusstsein. Dann spielt und singt man und plötzlich ist der Text – wie aus dem Nichts – da. Ein viel bespieltes Thema für mich ist der Tod, ich frag mich oft wie lange das Ganze noch so geht und ob ich überhaupt 27 werde. Nein, jetzt im Ernst, der Tod beschäftigt den Menschen und nicht jeder kommt mit dem Thema zurecht. Vielleicht kann ich so helfen, nach dem Motto „He schau, es geht doch eh jedem gleich“

Alexius: Wer über den Tod singt, kennt wohl keine verbotenen Themen oder?

Jo: Ich würde vielleicht nichts über Staplerfahrer singen, obwohl, warum auch nicht. Ich kann mich da nicht einschränken, plötzlich ist die Liedstruktur einfach in meinem Kopf.

Alexius: Und was spielt sich jetzt gerade im Oberstübchen ab?

Jo: Das letzte Lied war über Herbstdepressionen, das Gefühl, wenn der Sommer in den Herbst übergeht. Wenn man das bei uns überhaupt Sommer nennen kann. Auch das Thema „Zukunft“ zieht seine Bahnen, wohin verschlägt es mich, kann es so weitergehen?

Alexius: Das klingt alles recht melancholisch. Sind derartige Themen einfacher zu verpacken?

Jo: Bei netten Melodien und schönen Textzeilen nähern wir uns wieder dem Schlager. Da bevorzuge ich doch einen etwas melancholischen Text mit teils fröhlicher Begleitung. Das bringt dann einen ganz eigenen, interessanten Kontrast in das Lied. Und sich über nachdenkliche Dinge zu äußern fällt mir schon leichter. Ich bin auch nicht mehr so fröhlich eigentlich.

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Alexius: Deshalb wohl auch so Titel wie „Verbarrikadieren“. Angenommen, man sperrt dich in einen Raum, welche 3 Gegenstände brauchst du unbedingt?

Jo: Du meinst außer Essen? Eine Gitarre, einen Bleistift und Papier. Obwohl, wenn der Stift bricht, auch blöd. Dann lieber eine Gitarre, ein Piano und meine Freundin.

Alexius: Klingt nach guter Unterstützung. Wie sieht es mit deinen Konzerten als  Supportact aus?

Jo: Die Konzerte mit Clara Luzia, Dear Reader oder Garish waren wunderschön. Ich finde diese Erfahrungen, die man da so mitnimmt, enorm wichtig. Deswegen frage ich auch viel rum und bis jetzt hab ich auch immer eine Antwort bekommen, es hieß zwar manchmal „Nein“, über eine Rückmeldung freut man sich dann aber doch.

Alexius: Das machst du auch alleine?

Jo: Ja. Ist schon sehr anstrengend, den ganzen Tag im Studio, dann gleich zur Probe, danach das Booking und anschließend soll man noch Energie haben um neue Lieder zu schreiben. Damit fang ich übrigens oft erst um 3 Uhr morgens an.

Alexius: Zusätzlich warst du im Radio und bist Internet-technisch gut vernetzt. Ist die digitale Verbreitung ein Muss für Musiker des 21. Jahrhunderts?

Jo: Es wird halt alles viel schnelllebiger durch das Internet. Antwortet man einen Abend mal auf keine Nachricht zurück, so bekommen die meisten Leute schon die Krise. So ist das Internet auf der einen Seite hilfreich, Musiker können ihr Schaffen der breiten Masse zeigen, aber auf der anderen Seite gibt es auch immer mehr Künstler, die das nützen und die Zuhörer sind nicht mehr so interessiert oder mit dem Angebot überfordert.

Alexius: Wie sticht man da heraus?

Jo: Die Leute müssen sich beim Zuhören/Zusehen denken „Was zur Hölle macht er da?“ oder „ Was soll diese Aussage?“. Man soll die Leute zum Denken animieren, das fällt ja mit dem Internet auch immer mehr weg, da die meisten Meinungen vieler Leute bereits auf Wikipedia zu finden sind.

Alexius: Und einfach auf das Internet verzichten?

Jo: Ich bin halt damit aufgewachsen und kenne Booking nur noch über das Internet. Früher haben sie vielleicht  noch mehr telefoniert oder Postkarten und Telegramme verschickt, ich versuch jetzt halt so gut es geht das Internet positiv einzusetzen. Vieles veröffentlichen und posten, dass man nicht in Vergessenheit gerät – das geht leider auch sehr schnell heutzutage.

Alexius: Ich vergesse nicht, dass ich dich neulich in einem Buchladen gesehen habe.

Jo: Früher, zu Schulzeiten, habe ich ungern gelesen, weil man lesen musste. Nach der Matura hab ich mich dann quasi neu in Bücher und ins Lesen verliebt.

Alexius: Old School oder E-Books?

Jo: Auf jeden Fall gebundene Bücher. Ich komme aus dem Grafikbereich und schau mir immer vor einem Kauf die Setzung bzw. das Layout des Buches genau an. Es sieht auch schön aus wenn so ein Buch im Regal steht.

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Alexius: Das macht die Wohnstube erst richtig gemütlich. Kommen wir überhaupt zu den Stubensessions, ein paar Worte deinerseits.

Jo: Der Stubenlook war als eine Art Wohnzimmer gedacht, in dem man sich zuhause fühlt und Musik macht. Ich wollte dieses heimelige Gefühl auf die Bühne bringen, eine intime Atmosphäre erzeugen, in der man sich wohlfühlt und auch nachdenken kann. Das Konzert fing immer damit an, dass ich die Bühne betreten habe, meine mitgebrachte Stehlampe einschaltete und meine Schuhe auszog.

Alexius: Und jetzt ist ein Ende dieses Stubenlooks in Sicht?

Jo: Der Stubenlook besteht jetzt seit1 ½ Jahren und ich finde, dass die Stubensession-EP ein runder Abschluss dafür ist. Inzwischen hat sich auch meine Musik verändert, es gibt mehr elektronische Elemente. Es erinnert weniger an eine Stube und geht mehr um das was in mir passiert als um das was um mich passiert. Ich geh jetzt einfach den nächsten Schritt mit Band und will nicht als der „Stubenmensch“ im Gedächtnis hängen bleiben. Irgendwann heißt es dann „Den Stöckholzer kenn ich, der macht volkstümliche Musik, ich kenne seine Stubenfotos.“

Alexius: Aber du bleibst Fan von kleineren Konzerten in Wohnzimmern?

Jo: Ich mag auch Auftritte in größeren Clubs. Da kann ich die Leute mit meinem Loop Set zum Tanzen animieren, im Wohnzimmer bin ich halt komplett akkustich unterwegs, dafür hören dir die Leute auch aufmerksamer zu. Theaterräume find ich auch sehr schön als Location, das Café Zentral wäre auch perfekt, ich hock mich gleich hier ans Klavier.

Alexius: Bitte bleib sitzen und sag mir lieber, wo es mit deiner Musik noch hingehen soll.

Jo: Mehr in Richtung Norden nach Deutschland, am besten Hamburg, Berlin. Und schauen dass man dort Fuß fassen und den Weg mit Band weiter gehen kann.

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Alexius: Band ist ein gutes Stichwort. Am 24. September findet der Pre-Release vom Debüt-Album sowie eine erste Präsentation deiner Band statt. Klingt nach einem spannenden Abend.

Jo: So ist es. Am 24. September, im Treibhaus in Innsbruck, wird es vom Album als Vorveröffentlichung erstmals eine kleine Auflage geben, welche als Sammlerstück gedacht ist für diejenigen, welche das Album schon vor der wirklichen Veröffentlichung hören und haben wollen. Ein exklusives Werk sozusagen, eine limitierte Auflage. Bis auf weiteres gibt es, außer an Konzerten, wie am besagtem 24. September im Treibhaus, keine andere Möglichkeit, das Album zu bekommen. Deshalb lohnt es sich umso mehr, uns an diesem Abend zu besuchen.

Alexius: Und was hat es mit der Band auf sich?

Jo: Es fing damit an, dass ich beim Arrangieren der Lieder immer größer gedacht habe, dadurch wurde die Idee, eine Band hinzuzufügen, einfach durchgeführt.: Ich bin froh, sie alle kennengelernt und in meinem Team zu haben. Fabian Schuler, der Bassist der Band Prey, Simon Rainer als Schlagzeuger, bekannt von Madebyus, Dorian Windegger von Identikit, zuständig für Klavier und Synthi und last but not least mein Nachbar und begnadeter DJ Bernhard Schneider. So wie die Besetzung ist auch der Albumaufbau sehr abwechslungs- und facettenreich. Aber kommt einfach am 24. September ins Treibhaus und überzeugt euch selbst. ELTO ist zusammen mit seinem Cellisten und Percussionisten auch dabei. Wir freuen uns auf euch!

Alexius: Klingt aufregend, also ich komme auf jeden Fall. Gibt es demnächst noch weitere Termine, die man sich fett im Kalender markieren sollte?

Jo: Ja, am 1. Oktober bin ich mit Vormärz zu Gast im Kunst- und Kulturzentrum Das Werk in Wien und am 3. Oktober im Raumschiff Linz. Ein weiterer Soloact von mir folgt voraussichtlich am 14. Oktober im Shelter, weitere Konzerte in Wien gibt es am 16. Oktober im London Club und am 18. Oktober Im Dezentral. Es gibt somit genügend Möglichkeiten, mir über den Weg zu laufen und ich freue mich darauf, neue Leute kennenlernen zu dürfen.

Nützt direkt die erste Kontaktmöglichkeit mit Jo Stöckholzer am 24. September im Treibhaus in Innsbruck und seht den charismatischen Vollblutmusiker in seinem Element.

Auf Jostoeckholzer.com könnt ihr mehr über den Künstler und seine Band erfahren. Weitere Infos zur Veranstaltung sowie Tickets gibt’s auf FB und auf der TREIBHAUS-Homepage

Zusätzliche findet ihr die Musik vom Jo auf SoundcloudSpotify oder I-Tunes

Redakteur: Alexius Ivo Baldissera

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