Wir reden Tachles: Mriri über Poetry Slam, Wien und Magie.

Event, Kunst, Literatur, Menschen

10690100_10202889059772874_7711124918147005461_n Robin Reithmayr kennt man in der Wiener Slammer Szene als Mriri, sein Markenzeichen sind kurze, knackige Texte. In Österreich hat Robin sich nicht nur mit einer gewonnenen U20- Meisterschaft einen Namen gemacht, er veranstaltete auch in Lokalen wie dem Werk schon eigene Poetry Slam Abende –  und Ende April gibt’s sogar einen eigenen Workshop in der Sommerakademie in Motten. Doch auch wenn Robin auf der Bühne kein Mann von vielen Worten und langen Monologen ist, im Tachles erzählt er jede Menge über die Szene, über das Slammerdasein und von seiner Magierkarriere.

Robin, wie und wann hat denn alles angefangen mit dir und dem Slammen?

Ich war 19 als eine Freundin meines Vater mir vor ca. zwei Jahren von Poetry Slam erzählt hat, dann hab ich mir das mal angeschaut, der Rest kam sehr spontan.

Und dann ging alles plötzlich ganz schnell! Erzähl mir etwas über deine Erfolge!

Mein persönlich größter Erfolg ist, dass ich mit dem was ich mach‘, in der österreichischen Slammerszene sehr bekannt bin und mein Stil einzigartig ist, weil ich als Einziger ausschließlich kurze Texte mache. Auch in Deutschland kennen mich schon ein paar. Das zu machen, was kein Anderer macht, das auszuarbeiten und einfach dran zu bleiben – das ist für mich persönlich mein größter Erfolg! Der offizielle Erfolg sind die Wettbewerbe, die ich gewonnen habe. Vor eineinhalb Jahren habe ich die Österreichischen u20-Meisterschaften gewonnen, beim Grazer Kleinkunstvogel wurde ich ganz knapp Zweiter. Da war ich einfach zu unentspannt, zu nervös. Wäre ich das Ganze so locker angegangen wie in der Vorrunde, hätte ich es schaffen können.

Du kennst also auch so etwas wie Lampenfieber? Was tut man dagegen?

Ja, in irrationaler Weise schon, nämlich dann, wenn ich mich zu sehr anstrenge. Aber wenn ich entspannt bleibe und Spaß an der Sache habe ist das Lampenfieber kein Problem. Vor allem, wenn ich vorher Sport gemacht hab, z. B. laufen gehe, bin ich danach viel relaxter. Sport hilft mir!

Neben dem Lampenfieber spielen ja auch die Finanzen eine Rolle: Kann man vom Slammen leben? 

In Österreich schon, kommt aber ganz darauf an, wie sehr man sich reinhängt und es ist Ansichtssache, was man unter „leben“ versteht: Wenn ich im Monat 800 Euro verdiene, ist das für mich schon sehr gut, damit komm ich durch. Und das ist als engagierter Slammer eine realisierbare Summe.

Poetry Slam ist ja in Deutschland schon fast zum Mainstream mutiert. Wie ist der Trend in Wien?

Die Slamszene in Wien wird um einiges größer. Als ich vor 2 Jahren angefangen habe, gab es hier nur 4 oder 5 regelmäßige Slams –  mittlerweile sind es bereits 13 oder 14 Veranstaltungen! Und es werden immer mehr und mehr- Wien ist mittlerweile schon fast überfüllt. Es gibt viele Veranstaltungen, die sich ein bestimmtes Format zurecht gelegt haben. Ein paar dieser Events erfreuen sich immer größerer Popularität und nehmen stets professionellere Züge an, fast so wie in Deutschland. Zum Beispiel gibt es hier 3 sehr sympathische Burschen, alle um die 25, die nennen sich FOMP (get the fuck out of my pool) und machen wirklich sehr coole Dinge, beispielsweise Kombinationen aus Bühnenmagiern und Slammern oder einmal im Monat einen Jazzslam.

Und wie schaut’s in Österreich aus?

Die Poetry Slam Szene wird in Österreich niemals so sein wie in Deutschland, weil man in Österreich allein von der Literatur schon einen ganz anderen Zugang hat. In Deutschland sind die Texte schon ausgereifter, in Österreich ist alles sehr experimentell, der Slam hat hier eher einen Lesebühnencharakter: Die Leute lesen oftmals Texte vor, die nicht nur für die Slam-Bühne geschrieben wurden. In Deutschland gibt es einfach viel mehr, die Texte nur für die Bühne schreiben. Die haben ihre Ikonen, ihre festen Stile, die gut beim Publikum ankommen und arbeiten dann sehr darauf hin. Ich finde diesen Unterschied von Deutschland und Österreich gut, ich liebe Diversität!

Du hast sehr von FOMP geschwärmt, welche Poetry Slam Veranstaltungen sind in Wien außerdem besonders empfehlenswert?

10359486_10202337611427010_4804109820604642177_n Kommt darauf an, worauf man so steht. Neben den Veranstaltungen von FOMP finde ich persönlich den Stille Post Slam, jeden Dienstag im Loft, sehr schön- der ist offen, man kann spontan mitmachen. Man hat sehr viele tolle Leute mit interessanten qualitätsvollen Texten, weil der Slam einfach so sympathisch ist. Bei anderen offenen Slams sind halt ur viele Newcomer- ja, ich weiß, jeder muss mal anfangen, ist klar, aber es kann schon anstrengend sein, wenn zwei Drittel der Leute eben neu sind, sehr weit vom Mikrofon entfernt stehen, richtig nervös sind oder irgendwelche persönlichen Dinge von sich vorlesen, die niemanden interessieren. Einmal im Jahr gibt es den Bus Bim Slam im Rahmen der Wiener Bezirksfestwochen. Da hat man täglich die Chance, in ganz Wien an verschiedenen Haltestellen zu slammen  – bis der nächste Bus oder die Bim kommt. Das ist lustig!

Und wer nicht immer nur zuschauen möchte, hat Ende April die Möglichkeit, bei deinem Workshop Poetry Slam etwas näher kennenzulernen. Erzähl mir mehr darüber!

Ich werde in der Sommerakademie in Motten meinen ersten Workshop halten und versuchen, mein Wissen weiterzugeben. Mein persönlicher Anspruch ist, dass berücksichtigt wird, dass die Teilnehmer sehr unterschiedliche Interessen haben, unterschiedlich ticken. Auf diese Individualität möchte ich eingehen. Der Spaß und das Spielerische sollen im Vordergrund stehen, nicht nur das Theoretische – es soll vom Spielerischen ins Praktische übergehen, vom Praktizierten ins Reflektierte und vom Reflektierte wieder ins Spielerische. Dabei soll die Angst vor der Bühne durch Selbstbewusstsein und einen eigenen Stil ersetzt werden. Und es wird ein paar Übungen zum kreativen Schreiben geben.

Seit wann schreibst du denn selbst?

(lacht) Schreiben kann ich schon länger, nämlich seit ich 6 bin. Aber Texte verfasse ich eigentlich erst seit 3 Jahren. Bevor ich zum Poetry Slam kam hab ich keine Slamtexte geschrieben, sondern eher Studentenlyrik, sehr brave Texte, beispielsweise über Liebeskummer. Eigentlich schreib ich nicht für Poetry Slam, es ist nicht so, dass ich mich hinsetze und sage „So jetzt schreib ich einen Slam Text“ oder mich frage, was könnte dem Publikum gefallen. Ich schreibe einfach nieder worauf ich gerade Bock habe, das was mir gerade einfällt. Das Interessante im nächsten Schritt ist, das Geschriebene so umzuformen, dass es auch Slam tauglich wird in Konkurrenz zu den traditionellen Texten, die vorgetragen werden. Das können die unterschiedlichsten Sachen sein -Liebesgedichte, Sprachspiele, manchmal auch Texte, die überhaupt nicht verstanden werden. Das ist dann auch voll okay. (lacht)

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Foto: Christian Schreibmüller

Woher schöpfst du Inspiration für deine Texte?

Fast alle meine Texte entstehen wenn ich in der Bim sitze und einen Satz aufschnappe oder mit jemanden spreche und dabei ein Satz entsteht, den ich interessant finde, in dem was er aussagt oder wie er konstruiert ist. Eben für solche Momente habe ich meinen Notizblock immer dabei. Sobald ich Zeit habe, baue ich den Satz aus. Manchmal setz ich mich aber auch ganz bewusst hin und frage mich, worüber ich schreiben könnte und denke darüber nach was ich erlebt hab, was mich gerade beschäftigt, es soll auch nicht einfach irgendetwas sein.

Dann gibt es auch immer mal wieder ein Buch, das mich inspiriert: Siddartha von Hesse ist eines dieser Bücher, das mich in einer bestimmten Zeit sehr bestätigt hat, und mir zeigte, dass es auch noch andere Menschen gibt, die so sind wie ich, die die unterschiedlichsten Phasen durchlaufen. Ich hab den Anspruch alt und weise zu werden, ich glaube nicht, dass es eine Erleuchtung gibt, aber möchte mich immer mehr in Richtung erfülltes und intelligentes Leben bewegen, meinen Horizont  erweitern. Bücher, die mich so sehr berühren, können auch durchaus Inspirationsquellen sein.

Was tust du sonst so, wenn du mal nicht auf der Bühne stehst? Hast du irgendein außergewöhnliches Hobby?

Ich arbeite im Moment sehr viel an mir, bin sehr mit mir selbst beschäftigt. Hobbymäßig spiel ich sehr gerne Magic. Das ist so wie Pokemon, nur anspruchsvoller, sehr komplex. Es ist so ziemlich das komplexeste und logischste Spiel, das ich kenn und es ist einfach schön so einen logischen Teil im Alltag zu haben. Das Spiel wird oft belächelt, aber die Leute haben einfach keine Ahnung, sie wissen nicht was es heißt Magic zu spielen. (lacht)

Mal abgesehen von der Magierkarriere- was ist denn für die Zukunft geplant?

Weiterhin älter zu werden. Ach, das ist eine schwierige Frage. Ich mag die Frage nicht, weil ich niemals in meinem Leben gewusst habe, was ich in Zukunft mache und es wird trotzdem immer cooler, ich mach mein Ding, reflektier darüber und fang immer wieder von vorne an – währenddessen werde ich älter und weiser.

Fotos: Christian Schreibmüller

Redakteurin: Jaqueline Ehrhart

Hier geht’s zum Workshop.

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