Stefan Sagmeister – The Happy Show

Event, Kunst

       12 Dinge, die ich von Stefan Sagmeisters Happy Show gelernt habe

 

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Everybody Always Thinks They Are Right

Seit dem 28. Oktober 2015 ist das Glück in Wien in greifbarer Nähe.    

Glück – was ist das eigentlich? Was macht mich glücklich, zufrieden? Oder zumindest glücklicher und zufriedener? Dieser ganz individuellen Frage geht der Grafikdesigner Stefan Sagmeister auf unterschiedlichste Art und Weise nach und präsentiert seine Gedanken und Ergebnisse im Österreichischen Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien.

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Stefan Sagmeister, Grafikdesigner und Typograf

Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt sich der gebürtige Bregenzer Stefan Sagmeister, seines Zeichens Großmeister der Typografie und Grafikdesigns jeglicher Art, schon mit den Themen Glück und der Leichtigkeit des Seins. Während seines letzten Sabbaticals (Sagmeister zieht sich jedes siebte Jahr aus seinem Büro Sagmeister Inc. bzw. Arbeitsumfeld in New York für eine einjährige Auszeit zurück) entstanden die Planungen für seine Happy Show. Mit Videos, Infografiken der anderen Art, Skulpturen, Installationen und zur Interaktion anregenden Gegenständen (Zeichentische, freie Entnahme von Sagmeisters Lieblings-Süßigkeiten, Fahrradfahren mit selbsterzeugter Lichtshow) wird Sagmeisters Suche nach dem wahren Glück dokumentiert. Bei diesem Selbstversuch bzw. dieser Reise hat er von Meditation über kognitive Therapie bis hin zu stimmungsaufhellenden Medikamenten nichts unversucht gelassen.

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Selbstleuchtende Erkenntnis

Und jetzt ist die Happy Show, nach Zwischenstops in Nordamerika und Paris, endlich auch in Wien angekommen und bietet den Besuchern im gesamten MAK (Stiegenhäuser, Gänge und Aufzüge inkludiert) Einblicke in die tiefgründige Gedankenwelt Sagmeisters und dessen persönliche Reise zum Glücklichsein.

Definitionen finde ich normalerweise eher langweilig. Aber GLÜCK ist ein so großes Thema, dass es vielleicht einen Versuch wert ist.“

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Verdächtig viele Wiener wählten die 9. oder 10.

Und auch wenn die Person Stefan Sagmeisters einen kompletten Kunstband von der ersten bis zur letzten Seite füllen könnte und seine Arbeiten (z.B. Design für das Album Bridges To Babylon von den Rolling Stones) und Ideen (Verschönerung der Casa da Música in Porto) zig Artikel füttern könnten, möchte ich mich hier auf zwölf Dinge beschränken, die ich von der Happy Show im MAK mitgenommen habe. Damit meine ich keine Gegenstände, die ich mir heimlich in meinen Mantel gesteckt habe, sondern Aussagen und Denkanstöße Sagmeisters, die mich berührt haben. Die Happy Show im Detail zu erklären, würde für mich keinen Sinn ergeben, da ich sowieso finde, dass jeder! sie sich selbst ansehen sollte, um individuelle Eindrücke zu sammeln. Und weil es diesmal nicht um das bloße kunstkritische Analysieren von Pinselhelden und ihrer Gemälde der Spätrenaissance geht. Sondern um viel mehr.

Nummer 1: Jammern ist dumm. Entweder du handelst oder du lässt es.

Für Sagmeister ist das Jammern die nutzloseste Form der Kommunikation. Meine derzeitige Situation wird dadurch nicht verbessert oder verändert und ich nerve nur mein Umfeld damit.

Nummer 2: Nicht ehrlich zu sein, ist immer zu meinem Nachteil.

Laut einer Studie sind Menschen, die nicht lügen, glücklicher, fühlen sich wohler und schneiden auf lange Sicht sogar finanziell besser ab. Das Gedächtnis ist einfach zu unverlässlich, um erfolgreich zu lügen. Deshalb: Stay true.

Nummer 3: Ein Tagebuch zu führen trägt zur persönlichen Entwicklung bei.

Ein regelmäßig geführtes Tagebuch kann helfen, Charaktereigenschaften und Handlungen Revue passieren zu lassen. Es gibt mir die Chance, zu erkennen, was bzw. welche unangenehmen Eigenschaften ich vielleicht an mir ändern sollte

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Auch im Fahrstuhl geht’s rund.

Nummer 4: Geld macht mich nicht glücklich.

Das Wohlbefinden ist laut Sagmeister relativ unabhängig vom jeweiligen Einkommen. Natürlich löst Geld einige Probleme. Es kann uns aber nicht davor bewahren, dass neue hinzukommen.

Nummer 5: Mit der Zeit gewöhne ich mich an alles und nehme es als selbstverständlich hin.

Der Mensch gewöhnt sich sehr schnell an Lebensumstände, egal ob damit ein steigendes Einkommen, die Vorteile einer neuen Wohnung oder der Satz „Ich liebe dich“ gemeint sind. Gerade deshalb ist es wichtig, immer wieder Neues auszuprobieren, um aus diesem Gewohnheits-Trott auszubrechen.

Nummer 6: Gut dastehen zu wollen, schränkt mich ein, man kann es nicht allen recht machen.

Der Drang, immer als netter Mensch angesehen zu werden, schränkt unsere Handlungsweisen ein. Die meisten Menschen (wie Sagmeister auch) haben Angst vor Konfrontationen und Konflikten und den daraus resultierenden Problemen oder Zurückweisungen. Die Angst, ein „Nein“ als Antwort zu erhalten, versperrt uns so manche Tür.

Nummer 7: Will ich beruflich einen neuen Weg einschlagen, dann ist es hilfreich, ihn erst einmal allein auszuprobieren.

Es ist leicht, bekannte Pfade zu gehen, die sich als erfolgreich bewährt haben. Um aus diesem Konstrukt auszubrechen, legt Sagmeister jedes siebte Jahr eine kreative Schaffenspause ein. In dieser Zeit entwickelt er Ideen für die nächsten sechs Jahre in seiner Arbeit.

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Emphatische Gefühle musste Sagmeister erst erlernen.

Nummer 8: Mach den ersten Schritt.

Einem Unbekannten ein Kompliment für sein Aussehen zu machen, jemandem eine Frage zu stellen und auf Menschen zuzugehen ist manchmal schwierig. Doch wenn man es tatsächlich durchzieht, kommt meistens etwas Positives dabei heraus.

Nummer 9: Wirklich das zu tun, was ich mir vorgenommen habe, macht mich glücklich.

Jedes Mal, wenn man etwas Geplantes nicht umsetzt oder eine Chance unversucht lässt, entsteht eine leere, nagende Stelle in uns. Das Gefühl wiederum, Projekte und Ideen umzusetzen, erzeugt eine große Befriedigung.

Nummer 10: Anderen Menschen zu helfen, hilft mir.

Sagmeister fällt es oft nicht leicht, anderen zu helfen. Er hat sich sogar die Regel aufgestellt, jeden Tag eine Stunde lang jemandem zu helfen. Danach fühlt er sich jedoch besser und auch die Forschung bestätigt, dass Menschen, die helfen, oft zufriedener sind als Menschen, denen geholfen wird.

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Geh darauf zu.

Nummer 11: Jetzt ist besser.

Oft hört man, dass früher alles besser war. Sagmeister jedoch ist froh, in einer Zeit zu leben, in der ein großer Teil der Weltbevölkerung sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann. Harvard-Psychologe Steven Pinker hat übrigens aufgezeigt, dass die Anzahl der Gewalttaten in jedem Jahrhundert der letzen 2000 Jahre zurückgegangen ist.

Nummer 12: Sei flexibler.

Natürlich ist es gut, ein Ziel vor Augen zu haben und darauf hin zu arbeiten. Es ist jedoch weder inkonsequent noch zeugt es von Charakterschwäche, wenn man nicht immer an einem Plan festhält. Das zeigt nur, dass man nicht flexibel genug ist.

Und um mit den Worten von Stefan Sagmeister abzuschließen: „Diese Ausstellung wird Sie nicht glücklicher machen. Dieser Besuch wird Ihre Probleme nicht lösen. Ich erwähne das hier, um Ihre Erwartungen zu dämpfen“. Meine wurden jedenfalls übertroffen.

 

Mehr Infos zur Happy Show im MAK. Die Ausstellung läuft noch bis zum 28. März 2016.

Hier kann man weitere Arbeiten des Designers entdecken. Facebook ist ihm auch kein Fremdwort. 

 

Redakteur: Alexius Ivo Baldissera

 

 

 

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