
Egon Schiele: Sitzende Frau in violetten Strümpfen, 1917
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zu einer Reihe von sozialen, ökonomischen und philosophischen Veränderungen. Vor allem die Frage um die Geschlechtergleichheit, sexuelle Befreiung und das Bekenntnis zur sexuellen Lust (von Mann UND Frau) spaltete die Gemüter. Gemüter, die versuchten, Frauen auf zwei Extreme festzunageln: Madonna oder Hure.

Gustav Klimt: Der Kuss, 1907/08
Dieser heiklen Thematik näherten sich Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka – die drei wohl bedeutendsten Maler der Wiener Moderne. Dabei findet jeder seinen eigenen Zugang zu dem Thema, auch wenn sich so manches überschneidet. Doch genau auf diese Unterschiede/Gemeinsamkeiten wird in der Ausstellung besonderes Augenmerk gelegt. Somit werden auch neue Einblicke in die Beziehung der Geschlechter im frühen 20. Jahrhundert sowie die Ursprünge der modernen sexuellen Identität erarbeitet.

Gustav Klimt: Fritza Riedler, 1906
Dabei werden auf knapp 150 Werken vier Hauptthemen aufgegriffen: das Porträt, das (Liebes-)Paar, die Mutter und das Kind sowie der Akt. Und es wird klar, dass auch diese drei bekannten, klingenden Maler noch eine Einheit Emanzipation vertragen würden: Die Frauen auf ihren Zeichnungen werden zum Teil idealisiert, aber auch degradiert, funktionalisiert und reduziert.
- Gustav Klimt: Eugenia (Mäda) Primavesi, 1913/14
Zum Glück bekommen aber auch der „Frauenversteher“ Klimt, der „lüsterne“ Schiele und „Spätzünder“ Kokoschka ihr Fett ab. Mehr oder weniger. Es bleibt eine definitiv spannende Ausstellung mit interessanten Aspekten und Motiven zum Thema Gleichberechtigung, eine Thema, das nach wie vor ausbaufähig ist. Nicht nur künstlerisch betrachtet.
„Man wird erst wissen, was die Frauen sind, wenn ihnen nicht mehr vorgeschrieben wird, was sie sein sollen“ (Rosa Mayreder)
Die Ausstellung Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen kann noch bis 28. Februar im unteren Belvedere besucht werden. Mehr Infos gibt es HIER.
Redakteur: Alexius Ivo Baldissera