Rachet Bronco – Strawberry

Musik

Chaos im Erdbeerparadies: die Tiroler Super-Newcomer-Band Rachet Bronco kredenzt uns mit ihrem Erstlingswerk Strawberry ein paar saftige Nummern.
In Innsbruck gedeihen nicht nur die Erdbeeren ganz prächtig, nein, auch für Bands scheint der Boden dort recht fruchtbar zu sein. Oder wieso höre ich sonst beinahe jede Woche von neuen Interpreten am Musikmarkt? Aktuellste Erscheinung: die Chaosrock-Band Rachet Bronco.

Who or what the fuck is Rachet Bronco?

Ganz genau kann ich diese Frage auch nicht beantworten. Allein die Anzahl der Mythen, die mittlerweile um die Entstehung des Bandnamens – der übersetzt wohl so etwas wie eine Kombination aus Nichtsnutz und ungezähmter Hengst darstellt – kursieren, ist größer als die Einwohnerzahl Innsbrucks.

Sicher ist aber – die fünfköpfige Supergroup aus Tirol, die im Frühjahr 2016 in ihrer jetzigen Konstellation das Licht der Klangwelt erblickte, ist keine normale Band. Das fängt schon damit an, dass die Jungs bereits in Grenoble, Frankreich, vor knapp 7000 Menschen aufgetreten sind, ohne jemals zuvor in Innsbruck gespielt zu haben.
Für dieses Konzert aka Divercities-Festival, das ihm Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Kulturaustauschs mit der Partnerstadt Grenoble ins Leben gerufen wurde, haben sich Jesse Grande (Keyboards + Gesang), Pete Wallechner (Gitarre + Gesang), Dip Rahim (Gitarre), Alexander Figl (Bass + Gesang) und Stefan Bodner (Drums und neuerdings auch Gesang) gesucht und gefunden.
Sie alle kommen aus unterschiedlichen Ecken und Bands (rePete, Tollwuat, Any Three Initials), bringen musikalische Erfahrung mit und sind heiß auf Neues. Ein ungewöhnliches Quintett, das da anfängt, wo andere aufhören.

Kurze Zeit nach dem Auftritt in Frankreich veröffentlichte Rachet Bronco die erste Single, die – passend zum Raketenstart der Bandkarriere – High getauft wurde.

Im Dezember dann der nächste Paukenschlag – die Jungs von Rachet Bronco lassen nichts anbrennen und veröffentlichen ihr Erstlingswerk, das auf den fruchtigen Namen Strawberry hört, im Treibhaus Grund für eine fette Releaseparty war und es vor wenigen Tagen in mein Postkästchen geschafft hat.

Wie das Erstlingswerk klingt? Schon nach wenigen Sekunden weiß man zumindest eines: Der Sound dieser Truppe lässt sich wahrlich schwer in Worten beschreiben. Chaosrock nennen es die Jungs selbst und Chaos trifft es auch ganz gut. Wie ein Wirbelsturm fegen Blues, Rock, Punk, Progressive, Funk und was weiß ich nicht noch alles durch meine Gehörgänge. Mal leise, meistens laut und voll auf die 12. Hier haben sich fünf Vollblutmusiker getroffen, die alle ihre unterschiedlichen Stile und Inputs auf einem Album vereint haben. Und das hat es in sich, schon das Anfangsriff von Cinema Love – bluesig, rockig – zeigt, wo die Reise hingehen soll. Energetisch, smooth, pulsierend. Sofort steht man im Mittelpunkt dieses Chaos und will da eigentlich auch gar nicht mehr weg. Bands wie ZZ Top, Radio Moscow, Alien An Farm, Molotov oder Turbonegro gehen mir durch den Kopf, während ich mich vom Sound mitreißen lasse. Auch Turnaround, der nächste Song, passt sich diesem Flow mit langem Intro und einem Bad-Ass-Riff perfekt an. Die Drums sind auf Jazz getrimmt, immer wieder drängen sich Synthesizer-Klänge in den Vordergrund, der Refrain klingt sehr eingängig und bleibt hängen. Ein Song, der – so wie die meisten Nummern auf dem Album – äußert durchdacht wirkt, geordnetes Chaos quasi – und am Ende mit einem grandiosen Gitarrensolo endet. Addict ist einer der wenigen ruhigen Songs auf der Platte, überzeugt mit einem schönen Intro und nachdenklichen Textpassagen. Ein ehrlicher Song, dessen treibender Refrain und eingängige Bassline wunderschön harmonieren. Die nächsten Nummern –  Strawberry Cheeks oder High – sind dann schon wieder wesentlich lauter und liefern ein funky Riff nach dem anderen, einprägsame Basslines und witzige Textpassagen. Überhaupt nehmen sich Rachet Bronco nicht zu ernst, was der Musik gut tut, Monkey Business auf höchstem Niveau, würde ich sagen. Auch der Track Who the fuck is bronco ?! schließt sich dem Gesamtkonzept an, liefert unzählige knackige Riffs, progressive Breaks und beendet nach knapp 5 Minuten die musikalische Achterbahnfahrt im Strawberry-Rollercoaster.

FrontJPEG (1)

Kurz gesagt – das Debütalbum von Rachet Bronco ist ein Chaos-Gesamtkonzept, das sehr durchdacht und reif wirkt, den Hörern (nach einer kurzen Gewöhnungsphase) tief in seinen Bann zieht und erst nach 8 Songs bzw. 40 Minuten wieder loslässt. Ein facettenreiches, musikalisch sehr anspruchsvolles (auch für den Zuhörer) und abwechslungsreiches Werk, das bestimmt noch größere Wellen weit über das Innsbrucker Erdbeerland hinaus schlagen wird. Fruchtig und wuchtig. Die Art von Album, das man hört, bevor man mit seiner letzten Zigarette eine Tankstelle in die Luft jagt. Sollte man sich nicht entgehen lassen.

Wo es das Album gibt? Unter anderem im Musikladen Innsbruck und dem Downtown Sound Record Store. Oder auf der Homepage von Rachet Bronco, hier kann man – als besonderes Feature – so viel dafür zahlen, wie man eben möchte.

Jetzt heißt es zugreifen, Leute, so lange die Beeren noch frisch sind. Und wer sich von einer der verrückten Live-Performances der Band überzeugen möchte, hat auch bald wieder die Möglichkeit dazu. Für den Sommer sind Auftritte in Tirol, Südtirol, Wien und Graz geplant. Schaut doch hin und wieder mal auf der Facebook-Seite von Rachet Bronco vorbei, die Jungs halten euch auf dem neuesten Stand. Bis dahin viel Spaß im Chaos. 


Redakteur: Alexius Ivo Baldissera

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